Cyberlangues 2013 in Belleville-sur-Saône

Am 26.08.2013 machte ich mich auf den Weg nach Belleville-sur-Saône, in der Nähe von Lyon, um am diesjährigen “Colloque Cyberlangues” teilzunehmen. Wie auch im letzten Jahr gehörte ich zu den Referenten und hatte somit die von Christophe Jaeglin und mir zu unserem gemeinsamen Austauschprojekt ausgearbeitet Präsentation (diesmal im Format “Prezi”) im Gepäck.

Bereits wenige Minuten nach meiner Ankunft im Hotel traf ich die ersten bekannten Gesichter und machte mich nach dem Check-in sofort auf den Weg ins 200m entfernte Lycée Aiguerande, wo die Veranstaltung stattfinden sollte. Dort nahm ich meine Unterlagen in Empfang und traf auf Christophe, ein Wiedersehen, auf welches ich mich nach einjähriger intensiver Projektarbeit besonders gefreut hatte. Wir nutzten die bis zum gemeinsamen Abendessen verbleibende Zeit, um letzte Details bezüglich unseres Projekts und des Vortrags zu besprechen.

Beim ersten Abendessen, welches der inoffizielle Beginn eines jeden Colloques darstellt, trafen wir auf weitere bekannte und bis dato nur virtuell bekannte Gesichter. Besonders freute ich mich über ein Wiedersehen mit Katrin Goldmann, Emmanuelle Artault, Kédem Ferré und Yvan Baptiste, die als Mitglieder des Vorstands bzw. des Organisationsteams vor Ort wie immer alles super organisiert hatten. Ebenso traf ich dort erneut auf Rémy Danquin, den ich schon vom letzten Jahr kannte, sowie auf Marie-Hélène Fasquel, die ich im Laufe des letzten Jahres mehrfach bei Jürgen Wagners Online-Fortbildungen “getroffen” hatte und auf die ich mich ebenso sehr gefreut hatte. Komplettiert wurde die Truppe dann schließlich durch die Ankunft Jürgen Wagners aus Saarbrücken.

Nach einer nicht allzu langen aber dennoch erholsamen Nacht begaben wir uns am Dienstagmorgen um 8 Uhr wieder zum Lycée, wo wir in der Kantine das erste gemeinsame Frühstück einnahmen. Es herrschte bereits reger Betrieb und alle waren gespannt, was die nächsten Tage mit sich bringen würden.

Die offizielle Eröffnung des 13. Colloque Cyberlangues unter dem Motto “La classe à l’heure du numérique” gab den Startschuss für drei Tage voller neuer Ideen und interessanter Projekte. So wurde unter anderem mit “Brainpop” eine Seite voller multimedialer und aufeinander abgestimmter Ressourcen für den Fremdsprachen- und Sachunterricht vorgestellt und Rémy Danquin, Beauftragter für neue Medien und moderne Fremdsprachen bei der DGESCO (Direction Générale de l’Enseignement Scolaire), präsentierte die Webseiten von Eduscol, einem Portal des frz. Bildungsministeriums. Unter dem Motto “Erfahrungsberichte” berichtete Marie-Hélène Fasquel über ihr Projekt zum Thema “Umwelt”, Kédem Ferré präsentierte seine Tabletklasse und Christophe Jaeglin und ich sprachen über unser virtuelles Austauschprojekt. Des Weiteren gab es eher theoretisch-philosophische Gedanken zum Schulsystem und dessen notwendige Veränderungen sowie praktisch orientierte Ateliers zu Mindmaps (Nathalie Magin) und LearningApps (Jürgen Wagner).  Schließlich gab es wie immer Veranstaltungen der Partner, u.a. wurden dort neue Schulbücher (incl. digitaler Lehrwerke) vorgestellt.

Leider konnte ich natürlich bei weitem nicht an allen Veranstaltungen teilnehmen, von denen, die ich besuchen konnte, waren meine drei Favoriten der Erfahrungsbericht von Kédem Ferré, Barbara Hombach-Bouchets Vorstellung der Datenbank “Bakoro” und Jürgen Wagners Atelier zu LearningApps.

Kédem Ferrés Vortrag bezog sich auf ein Pilotprojekt zum Einsatz von Tablets an Schulen, das im Regierungsbezirk Lyon am Lycée Aiguerande und drei weiteren Schulen durchgeführt wurde. Es geht darum, den Unterricht durch den Einsatz von Tablet-PCs (Android) dynamischer zu gestalten, und zwar innerhalb einer Klasse in allen Fächern. Sowohl die Konfiguration der Tablets, als auch deren Aufbewahrung, sowie ihr Einsatz im Unterricht wurden von den beteiligten LehrerInnen selbst gemanagt. Ziel des Pilotprojekts war es, die SchülerInnen im verantwortungsbewußten und produktiven Umgang mit den neuen Medien zu schulen, dabei gleichzeitig ihr kritisches Denken zu fördern und sowohl die individuelle Entwicklung eines jeden Schülers zu fördern, als auch das gemeinsame Arbeiten an Projekten zu trainieren.  Mit einem Budget von ca. 15.000 Euro konnten sowohl die Tablets als auch die notwendige Infrastruktur angeschafft werden und die SchülerInnen lernten, die Tablets vielseitig einzusetzen, so z.B. um während des Unterrichts in einem Backchannel über Todaysmeet Fragen zu formulieren, sich gemeinsam Notizen zu machen, gemeinsam Dokumente zu verfassen, angeleitet Webrecherchen durchzuführen und diese dann sowohl in Eigeninitiative auszubauen, als auch ihre so gewonnen Ergebnisse zu teilen (mit Feedback der MitschülerInnen), und sogar Reportagen zu drehen. Da ich selbst schon seit längerem meinen Unterrichtsalltag mit meinem Tablet-PC organisieren und verstärkt papierlos arbeite, fand ich diesen Beitrag überaus aufschlussreich, zumal ich hoffe, eines Tages selbst an einem solchen Pilotprojekt teilnehmen zu dürfen. Kédem verstand es, in seiner lockeren, sympathischen und zugleich kompetenten Art auf mögliche Probleme aufmerksam zu machen, Potenziale des Tableteinsatzes zu verdeutlichen und machte aus seinem Enthusiasmus, mit dem er an diesem Projekt teilgenommen hatte, keinen Hehl. Es war für seine SchülerInnen sicherlich nicht immer einfach, einer derart großen Begeisterung gegenüberzustehen, jedoch wurden sie sicherlich über kurz oder lang davon mitgerissen und haben letztendlich davon profitiert. Es bleibt zu hoffen, dass das Projekt nun in die zweite Runde gehen wird und ich bin mir ziemlich sicher, dass Kédem ohne zu Zögern gerne auch KollegInnen (wie mich) gerne noch detaillierter an seinen gewonnen Erfahrungen teilhaben lassen wird, damit mehr solche wunderbaren Pilotprojekte durchgeführt werden können. Unter anderem findet übrigens in Kédems Google+ Community zum Thema “Tablets im Unterricht” ein Erfahrungsaustausch statt, an dem man sich sicherlich gern beteiligen kann.

Barbara Hombach-Bouchet stellte im Rahmen eines Ateliers zum Training der mündlichen Ausdrucksfähigkeit in Deutsch als Fremdsprache kurz die Datenbank “Bakoro” vor, die sie geholfen hat, aufzubauen. In dieser Datenbank werden didaktisierte Ton- und Videodokumente gesammelt, die für die Vorbereitung der immer heterogener werdenden Sprachklassen auf die reformierten Abiturprüfungen im Bereich Hör- und Sehverstehen gedacht ist. Zugang erhält jedes Mitglied des französischen Deutschlehrerverbandes  ADEAF, sofern die Bereitschaft besteht, entweder ein didaktisch aufbereitetes Ton- oder Videodokument zur Verfügung zu stellen, oder aber mehrere Didaktisierungen für bereits vorhandene Inhalte zu erarbeiten. Die Idee einer solchen Datenbank ist mir nicht fremd, habe ich von ähnlichen Initiativen in Baden-Württemberg gehört, da auch wir uns dank der jüngsten Reform der gymnasialen Oberstufe im Bereich moderne Fremdsprachen in einer ähnlichen Situation befinden, nämlich, dass die Anforderungen an unseren Fremdsprachenunterricht steigen, während wir weder mehr Zeit bekommen, um die SchülerInnen auf die neuartigen Prüfungen vorzubereiten, noch konkrete Hilfe erwarten können, wenn es darum geht, wie wir dies tun sollen. Ich wünsche mir, dass die LehrerInnen in Baden-Württemberg sich ein Beispiel an den französischen Kollegen nehmen und endlich begreifen, dass die neuen Medien keineswegs noch eine weitere Belastung im Arbeitsalltag darstellen, sondern dass sie – ganz im Gegenteil – richtig angewandt zu unser Aller Entlastung beitragen können.

Schließlich bot Jürgen Wagner eine äußerst gute und praktisch orientierte Einführung in LearningApps, einen Online-Übungsgenerator, den sowohl LehrerInnen als auch SchülerInnen vielseitig verwenden können. Ich kannte das Tool bereits aus eigener Erfahrung, wäre ich jedoch Neuling auf dem Gebiet gewesen, so wäre mir durch Jürgens Erklärungen nicht nur sofort klar geworden, wie die intuitiv aufgebaute Webseite funktioniert und ich Schülerzugänge anlegen kann, sondern ich hätte auch schnell das dem Tool innewohnende Potenzial erkannt. Abgesehen davon fand ich es überaus erfrischend, mit wie viel Interesse und Elan LehrerInnen zwischen 30 und 60 Jahren, teilweise absolute Neulinge auf dem Gebiet der neuen Medien, im Akkord Übungen generierten, die am Ende der 90 Minuten vorgestellt wurden. Ich wünschte alle KollegInnen stünden Neuerungen dieser Art auch nur halb so aufgeschlossen gegenüber und würden ihren Wunsch, professionell und vor allem ernst zu wirken hier und da einmal vergessen und sich daran erinnern, dass Lernen auch Spaß machen kann.

Unter dem Motto “business before pleasure” handelt es sich natürlich bei Cyberlangues alljährlich tatsächlich um eine ernstzunehmende Fortbildung, an der FremdsprachenlehrerInnen vor allem aus Frankreich, jedoch auch vereinzelt aus anderen Ländern (Deutschland, Japan…) und den französischen Überseegebieten teilnehmen, die nicht selten in ihren eigenen Kollegien als “Geeks” belächelt werden, die jedoch nichtsdestotrotz – oder gerade deshalb – überaus kompetent sind oder im Begriff sind, dies zu werden. Obwohl man natürlich in den angebotenen Vorträgen und den Workshops am Nachmittag sehr viel lernen kann, so ist Cyberlangues nicht zuletzt deshalb so erfolgreich, weil die gemeinsam verbrachte Zeit jenseits des offiziellen Programms für intensiven Erfahrungsaustausch genutzt wird und auch viele Freundschaften haben sich so über die Jahre entwickelt. Denn was ist angenehmer als sich in ungezwungener Atmosphäre über einem gemeinsamen Essen oder einem Glas Wein mit Gleichgesinnten austauschen zu können, von ihnen zu lernen oder ihnen neue Impulse zu geben und auch einfach mal nur ein paar Stunden netter Konversation zu genießen. Die gemeinsamen Mahlzeiten und Freizeitgestaltung, dieses Jahr sogar die gemeinsame Übernachtung im Internat sofern man ein Mehrbettzimmer gebucht hatte, und die Herzlichkeit, die stets auf den dreitägigen Treffen mit von der Partie ist, fasziniert mich jedes Jahr aufs Neue. War ich 2011 noch eine Fremde im Kreis von vielen alten Bekannten, die diese Geselligkeit von außen beobachtete, gehörte ich 2012 bereits schon fast dazu und freute mich dieses Jahr bereits Monate vorher auf ein paar Tage “Entspannen & Arbeiten” mit Kollegen, die ich überaus schätze und von denen ich einige inzwischen durch intensivere Zusammenarbeit auch näher kennengelernt habe und sie eher (oder absolut!) in meinen Freundeskreis als in meinen Kollegenkreis einordnen würde.

Ich kann nur jedem aufgeschlossenen Fremdsprachenlehrer mit Französischkenntnissen ans Herz legen, bei Cyberlangues Mitglied zu werden und sich die paar Tage Ende August schon jetzt zu reservieren um selbst einmal in den Genuss dieser einzigartigen Fortbildung zu kommen und sich von der dort herrschenden Begeisterung gefangen nehmen und anstecken zu lassen … und es wird nicht bei diesem einen Mal bleiben! Wie die Kollegin Corinne Degezelle es treffend auf den Punkt brachte:

Cyberlangues, on y vient, on y revient , et on en revient pas!
( ………………..tellement c’est bien………… )”

Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich sicherlich auch 2014 in Rennes wieder dabei sein werde, um kurz vor Schulbeginn noch etwas Energie zu tanken, um dem neuen Schuljahr und potenziellen Hindernissen bei meiner Arbeit mit den neuen Medien im Fremdsprachenunterricht gelassen, mit viel Kraft und neuen Ideen entgegentreten zu können, Hindernisse, die hoffentlich eines Tages nur noch Erinnerungen sein werden. Außerdem hoffe ich, im nächsten Jahr alle lieb gewonnenen Kollegen in Rennes wiederzusehen und einige neue Gesichter dort begrüßen zu dürfen.

Ausführlichere Berichte zu den einzelnen Veranstaltungen in französischer Sprache befinden sich im Sonderblog des Café Pédagogique.

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