Wieso (neue) Medien in der Schule?

Wenn man im schulischen Kontext von “neuen” Medien spricht, so bezieht man sich im Allgemeinen auf die Präsenz von Computern im Schulhaus. Der Computer gehört seit vielen Jahren zum Inventar eines jeden Schulhauses, weshalb man in diesem Kontext nicht mehr wirklich von “neuen” Medien sprechen kann. Seit dem Einzug der modernen Technik in den Schulalltag hat sich jedoch mit der rasanten Entwicklung des Internets – welches im Volksmund gerne nach wie vor als neues Medium bezeichnet wird –  auch die Gesellschaft verändert und auf diese Veränderungen muss die Schule reagieren. Das Internet, auch Web 2.0 oder partizipatives Netz genannt, stellt uns daher vor eine neue Herausforderung.

Die (neuen) Medien nehmen in der heutigen digitalen Gesellschaft einen immer größeren Stellenwert ein, nicht zuletzt sind sie ein Teil der Lebensrealität der heutigen Jugend. Bisher ist es so, dass die Medienvielfalt mit der die heutige Jugend aufwächst ihren Platz vor allem in der Freizeit hat und zum Großteil dem Konsum der angebotenen Informationsflut dient. Das Wissen darum, wie diese allgegenwärtige Medienpräsenz sinnvoll genutzt werden kann, wurde ihr jedoch nicht in die Wiege gelegt.

In der Einführung in den Bildungsplan 2004 steht diesbezüglich

Die Technik nimmt dem Menschen physische und geistige Mühsal ab, fordert aber im Gegenzug die Steuerung ihrer immer komplexeren Aggregate, eine bewusstere Berücksichtigung ihrer Folgen für die Natur und für unsere körperliche und seelische Gesundheit, ein weiterreichendes Verantwortungsbewusstsein für die sich verselbstständigenden Mittelsysteme. Die neuen Medien etwa verändern das Verhältnis von Wissen, Denken und Erfahrung in der Bildung; sie verändern auch das Verhältnis des Menschen zu Zeit und Entfernung, Geld und Arbeit. (vgl. Bildungsplan 2004)

Eine Aufgabe der Schule ist es natürlich, die Schüler bestmöglich auf ein späteres Berufsleben vorzubereiten. Hier sind Kenntnisse im Umgang mit den (neuen) Medien unerlässlich. Konkret lernen die Schüler zuerst den Umgang mit Computern und heute gängiger Software (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation…), doch ist es auch die Aufgabe der Schule, den ihr anvertrauten Jugendlichen dabei zu helfen, zu verantwortungsbewussten Bürgern zu werden, die in der heutigen Welt bestehen und zum Wohle der Gesellschaft miteinander kommunizieren können. Dazu ist es unabdingbar, die Freizeitmedien PC, Smartphone und Internet ins Klassenzimmer zu holen, sinnvoll in den Unterricht zu integrieren und den Schülern so den konstruktiven Umgang damit näher zu bringen.

Das Lernen in der digitalen Gesellschaft beschränkt sich schon längst nicht mehr auf die Schule. Vielmehr ist das Lernen ist eine lebenslange Aufgabe und spielt sich sowohl in globalen Dimensionen, sowie sozialen und vernetzten Kontexten ab. Es ist heutzutage weder räumlich noch zeitlich beschränkt und geht daher über den Kontext einer Unterrichtsstunde hinaus. Hinzu kommt, dass im digitalen Zeitalter interkulturelle und intergenerationelle Kontakte ins Lernen integriert werden können.

Dies heißt für die Schule, dass es nicht genügt, den Umgang mit einem Computer einzuüben, sondern es müssen auch Arbeitstechniken vermittelt werden, die es den Schülern ermöglichen, im übermächtigen Datenfluss des Web 2.0  relevante Informationen zu finden und diese in angemessener Form zu verwenden und ggf. mediengestützt zu präsentieren. Ebensowenig darf die Dokumentation von Arbeitsaufträgen nicht vernachlässigt werden und auch der Umgang mit Themen wie Internetsicherheit, sozialen Netzwerken, Datenschutz, Privatsphäre und Urheberrecht darf heute nicht mehr dem Zufall überlassen werden. Schließlich sollen die Schüler von heute im Kontext des neuen Lernens selbst im Mittelpunkt stehen und aktiv lernen anstatt wie früher “belehrt” zu werden.

Das interkulturelle Potenzial des Internets kann besonders im modernen Fremdsprachenunterricht von Nutzen sein. Noch nie war es so einfach, mit Menschen auf der ganzen Welt zu kommunizieren und so die im Unterricht erlernten Sprachen unmittelbar und in einer authentischen Gesprächssituation anzuwenden. Ebenso bieten Internet & Co die Möglichkeit, mit authentischen Dokumente (Podcasts, Texte, Videos…) in der Fremdsprache zu arbeiten und so die vom Bildungsplan geforderten Grundkompetenzen zu trainieren. Dazu gehört auch der Umgang mit digitalen Texten als eine eigene Textsorte, die nicht mit den herkömmlichen Lesetechniken für Printmedien erschlossen werden kann.

Somit darf die Schulung der Medienkompetenz sich nicht nur auf das Fach ITG beschränken, sondern kann in vielen Fächern ihren Platz haben. Nicht zuletzt basiert darauf auch die Bedeutung, die der Medienkompetenz im für das Jahr 2015 angekündigten neuen Bildungsplan für Baden Württemberg zuteil wird.