Autor: Stephanie Wössner

Am 16. Oktober 2026 hat die Kultusministerkonferenz ihren Kompetenzrahmen „Bildung in der digitalen Welt“ aktualisiert. Die sechs Kompetenzbereiche von 2016 wurden um KI-bezogene Anforderungen ergänzt. Lernende sollen KI-generierte Informationen kritisch bewerten, KI kreativ einsetzen, eigene KI-Assistenten entwickeln und gesellschaftliche Auswirkungen künstlicher Intelligenz reflektieren können. Vieles davon ist sinnvoll, manches längst überfällig. Trotzdem hinterlässt das Dokument bei mir einen ernüchternden Eindruck. Ende November 2022 wurde ChatGPT öffentlich zugänglich. Knapp vier Jahre später ergänzen wir in Deutschland einen fast zehn Jahre alten Kompetenzrahmen um KI-bezogene Anforderungen. Natürlich hat die KMK zwischenzeitlich reagiert, insbesondere mit ihrer Handlungsempfehlung von 2024. Und selbstverständlich wird ein…

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minnit’ begleitet mich schon lange. Die Plattform wird seit 2019 vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg betrieben; von April 2021 bis Juli 2026 war ich als Product Owner für ihre pädagogisch-strategische und funktionale Weiterentwicklung verantwortlich. Angefangen hat minnit’ als digitale Umfrageanwendung. Umfragen gehören weiterhin zum Kern, inzwischen ist daraus im Rahmen eines DigitalPakt-Projekts aber eine wesentlich breiter angelegte digitale Lernumgebung geworden: mit verschiedenen Frage- und Beteiligungsformaten, Quiz, interaktiven Geschichten, Planungs- und Organisationsmöglichkeiten, Augmented Reality und einem QR-Karten-Format namens Flossen hoch!, bei dem Lernende ohne eigenes digitales Endgerät teilnehmen können. Auch die Rollen haben sich verändert. Lernende können Vorlagen aus einer Bibliothek übernehmen und…

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In meinem ersten Beitrag zu Universal Design for Learning ging es um die grundlegende Perspektive hinter UDL: Barrieren nicht vorschnell Menschen zuzuschreiben, zwischen festen Zielen und flexiblen Wegen zu unterscheiden und Learner Agency nicht mit möglichst vielen Wahlmöglichkeiten zu verwechseln. Die Dinner-Party-Metapher von Katie Novak war dafür ein guter Einstieg. Wer UDL nur über die drei bekannten Bereiche Engagement, Representation sowie Action & Expression kennt, bekommt damit allerdings nur einen Teil des Bildes. Unter diesen drei Bereichen liegen neun Guidelines und insgesamt 36 Faktoren. Erst dort wird sichtbar, wie weit UDL 3.0 tatsächlich reicht. Gerade diese Faktoren machen die aktuelle…

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Dyslexie, Dysgraphie, Dyskalkulie und Dyspraxie beziehungsweise Developmental Coordination Disorder (DCD) betreffen unterschiedliche Bereiche und werden diagnostisch nicht einfach zu einer gemeinsamen Kategorie zusammengefasst. Trotzdem finde ich es sinnvoll, sie nebeneinander zu betrachten, weil sie besonders deutlich machen, wie viel kognitive und körperliche Arbeit hinter einem sichtbaren Ergebnis liegen kann. Dyslexie betrifft vor allem Lesen und die Verarbeitung sprachlicher beziehungsweise phonologischer Informationen. Dysgraphie bezieht sich auf Schreiben, Handschrift und teilweise den schriftlichen Ausdruck. Dyskalkulie betrifft die Verarbeitung mathematischer und numerischer Informationen sowie den Aufbau arithmetischer Fakten und Abläufe. Bei Dyspraxie beziehungsweise dem diagnostisch als Developmental Coordination Disorder (DCD) bezeichneten Profil stehen…

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OCD beziehungsweise Zwangsstörung, Tic-Störungen und Tourette werden häufig im Zusammenhang mit Neurodiversität und Überschneidungen behandelt, obwohl es sich um unterschiedliche Phänomene mit unterschiedlichen diagnostischen Einordnungen handelt. Gerade diese Nähe macht sichtbar, wie wenig sich aus einem Verhalten allein über den inneren Prozess ableiten lässt. Wiederholung kann als Zwangshandlung auftreten, als Tic, als motorische Stereotypie oder als Form von Stimming. Äußerlich kann manches ähnlich wirken, die Erfahrung dahinter kann jedoch grundverschieden sein. Das betrifft auch die Funktion: Was von außen wie „dasselbe Verhalten“ aussieht, kann mit Angst, einem körperlichen Drang, Regulation, sensorischer Verarbeitung oder Gewohnheitsbildung verbunden sein. Die Form allein reicht…

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Autismus wird generell als neurologische Entwicklungsvariante beschrieben, die sich unter anderem in Wahrnehmung und Informationsverarbeitung, Kommunikation und sozialer Interaktion, Interessen und Verhalten zeigen kann. Allerdings unterscheiden sich diese Ausprägungen zwischen Menschen erheblich. Genau deshalb ist die verbreitete Vorstellung einer linearen Skala schwierig. Autismus lässt sich kaum sinnvoll zwischen „wenig“ und „stark“ auf einer einzigen Achse abbilden. Unterschiedliche Bereiche eines Profils können ganz unterschiedlich ausgeprägt sein, und auch Unterstützungsbedarfe lassen sich nicht aus einer einzelnen sichtbaren Fähigkeit ableiten. Eine Person kann hoch differenziert sprechen und gleichzeitig erheblichen Unterstützungsbedarf bei Sensorik, Planung oder Übergängen haben. Eine andere nutzt wenig Lautsprache und verarbeitet…

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ADHS wird sprachlich bis heute über ein Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivität beschrieben. Das legt nahe, Aufmerksamkeit sei grundsätzlich zu wenig vorhanden und man habe es mit einer Person zu tun, die nicht stillsitzen kann. Je mehr ich mich damit beschäftige, desto weniger trägt diese Vorstellung. Menschen mit ADHS-Diagnose können sich sehr intensiv konzentrieren, teilweise über lange Zeiträume. Schwieriger ist häufig die willentliche Steuerung: Aufmerksamkeit zu einer bestimmten Zeit auf eine bestimmte Aufgabe zu richten, dort zu halten, wieder zu lösen oder auf etwas anderes zu verschieben. Bewusst gesteuerte Aufmerksamkeit (directed attention) wird bewusst eingesetzt, beispielsweise bei einer wenig interessanten Aufgabe, die…

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Der Begriff Neurodiversität ist inzwischen weit verbreitet und wird dabei erstaunlich unterschiedlich verwendet. Manchmal bezeichnet er Menschen mit Autismus, ADHS, Dyslexie oder anderen neurologischen Profilen, manchmal wird er nahezu synonym mit neurodivergent benutzt. Genau hier lohnt sich eine erste begriffliche Klärung. Neurodiversität bezeichnet die natürliche Vielfalt menschlicher Gehirne und damit Unterschiede darin, wie Menschen wahrnehmen, Informationen verarbeiten, lernen, kommunizieren, Aufmerksamkeit steuern oder sich regulieren. Der Begriff wird mit der australischen Soziologin Judy Singer verbunden, die ihn Ende der 1990er-Jahre prägte. Neurodiversität betrifft damit alle Menschen. Auch „neurotypische“ Menschen sind Teil neurologischer Vielfalt. Neurodivergent bezeichnet im heute verbreiteten Sprachgebrauch einzelne Menschen,…

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In einem meiner aktuellen Kurse zu individuellen Lernbedürfnissen und Neurodiversität beschäftige ich mich gerade mit einer Sammlung sehr unterschiedlicher Frameworks und Ressourcen. Einige stammen aus pädagogischen Kontexten, andere aus Therapie, Sprach- und Kommunikationsförderung oder Entwicklungsbegleitung. Die Aufgabe dazu klang zunächst recht einfach: Welche Ansätze sind für mich neu oder weniger vertraut? Welche kann ich auf Anhieb nachvollziehen? Welche könnten für Lernende hilfreich sein? Beim Lesen habe ich allerdings schnell gemerkt, dass mich eine andere Frage stärker beschäftigt als die Einordnung einzelner Modelle. Ich begann darauf zu achten, wo die Verantwortung dafür verortet wird, wenn Kommunikation, Lernen, Regulation oder Teilhabe schwierig…

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Es gibt Texte oder Gespräche, nach denen man nicht plötzlich alles anders sieht, die aber etwas verschieben, weil sie für bereits vorhandene Überzeugungen einen anderen Bezugsrahmen anbieten. So ging es mir mit der Folge The Already Whole Child von That Early Childhood Nerd, in der Heather Bernt-Santy mit Em Clark über deren Artikel The Already-Whole Child: Reconceptualizing Care and Sanctuary through Childism spricht. Vieles darin liegt nah an dem, was meine eigene pädagogische Arbeit seit Jahren prägt: Agency und Co-Agency, Kinderrechte und Chancengerechtigkeit, Lernen als relationaler Prozess, Playfulness, Learning for Life und Lernumgebungen, die Menschen nicht möglichst effizient durch vorgegebene…

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