„Into the Great Wide Open. Wer zu weit offen ist, ist nicht ganz dicht?“ (Dr. Thomas Strasser, DaFWEBKON 2014)

Bei der dritten DaFWEBKON sprach Thomas Strasser am 15.3.2014 in seiner Keynote über Open Educational Resources (OER), d.h. offene Bildungsressourcen, im Fremdsprachenunterricht.

OER sind schon seit längerer Zeit kein Neuland mehr und bieten unbegrenzte Möglichkeiten. Jedoch ist gerade diese Grenzenlosigkeit ein Problem für Viele, da man damit umgehen können und sich auf die Didaktisierung guter Materialien konzentrieren muss. Die Technik darf nie im Vordergrund stehen – wobei sie natürlich in der Realität mitunter zu Beginn der Verwendung von digitalen Medien, d.h. wenn SchülerInnen nicht daran gewohnt sind, sich mit diesen Medien produktiv zu beschäftigen, durchaus einen größeren Raum einnehmen können. Wird ihre Verwendung Teil des Alltags, dann darf dies jedoch nicht mehr der Fall sein.

Unsere Aufgabe ist es, unsere SchülerInnen auf die Zukunft vorzubereiten – heute schwieriger denn je, da wir nicht wissen, wie die Zukunft aussehen wird. In Anbetracht der Tatsache, wie rasend schnell sich die heutige Welt entwickelt und was im Internet alles passiert,

ist schnell klar, dass Praktiken von heute morgen schon wieder überholt sein können. Natürlich gibt es viele Voraussagen, wie die Entwicklung voranschreiten wird (s. z.B. Horizon-Bericht), jedoch treffen die genauso oft zu, wie sie sich als falsch erweisen.

Obgleich sich die notwendige Technologie (vor allem in Form von Smartphones) und auch soziale Netzwerke (vor allem Facebook) zum ständigen Begleiter unserer SchülerInnen entwickelt haben, sind diesbezügliche Verbote (s. Handyverbot an Schulen, Facebook- Verbot…) die traurige Realität. Dabei sollte vor allem das ubiquitäreinformelle Lernen nicht unterschätzt werden und wir sollten uns ihm zuwenden. Im institutionellen Rahmen einer Schule wird zwar auch gelernt, jedoch ist es eine Tatsache, dass unsere SchülerInnen zu Hause durchaus mehr lernen können, weil sie dort für sie relevante Themen recherchieren, was in der Schule nicht immer der Fall ist.

Was können wir als LehrerInnen nun tun, um etwas zu ändern, wenn wir doch überall Grenzen gesetzt bekommen? Ohne sich zu sehr zu verausgaben, kann man basierend auf einer persönlichen Offenheit für neue Entwicklungen die sanfte Revolution von unten einleiten.

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Hierzu bieten sich OER an, weil sie komplementär zu herkömmlichen Lehrwerken eingesetzt und im Gegensatz zu ihnen modifiziert werden können. Wenn man sich allerdings darauf beschränkt, riskiert man, zum Einzelkämpfer zu werden, der gegen Windmühlen kämpft und nie nennenswerte Veränderungen auslösen kann. Macht man hingegen seine intellektuellen Prozesse und seine Aktivitäten digital sichtbar – z.B. in Form eines einfachen Blogs – kann man sich in den Diskurs zur Veränderung der Lernwelt einschalten und mit gleichgesinnten und offenen Kollegen nicht nur diskutieren, sondern auch produktiv zusammenarbeiten und Feedback erhalten.

Neben OER sind auch offene Netzwerke eine nicht zu vernachlässigende Dimension des neuen Lernens mit Medien. Mehr als um die konkrete Anwendung dieser Netzwerke im Alltag sollte es darum gehen, dass SchülerInnen die Funktion solcher Netzwerke verstehen und man ihnen diverse Kompetenzen (Wie kommentiert man richtig? Was sind sinnvolle Posts? Wie arbeitet man im Team im bidirektionalen Kontext an einem Thema?…) mit auf den Weg gibt, die auf zukünftige Netzwerke übertragbar sind.

Unabhängig von den verwendeten Tools, Ressourcen und Netzwerken ist es jedoch unabdingbar, dass man sich seine Kritikfähigkeit erhält und nicht jedem Hype folgt, nicht jede Ressource verwendet, ohne vorher ihre Qualität in Augenschein zu nehmen. Einheitliche Qualitätskriterien gibt es leider noch nicht, jedoch kann man allgemein sagen, dass man sprachliche und kulturelle Grenzen ebenso in seine Überlegungen mit einbeziehen sollte wie die technischen Gegebenheiten, Anforderungen und das Gewicht, das der Technik zukommt.

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Zusammenfassend kann man sagen, dass Kulturpessimismus ebenso wenig angebracht ist wie eine Technik-Romanze. Wir müssen offen sein und zugleich kritisch reflektieren, um zum sanften Rebellen und damit dem Lehrer der Zukunft zu werden.

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Dazu gehört natürlich auch die wohlüberlegte Dosierung der Verwendung von digitalen Medien, um den SchülerInnen einen modernen und abwechslungsreichen Unterricht zu bieten, der sie motiviert aber nie langweilen wird.

Abschließend ist nur zu sagen, dass Thomas mal wieder eine super Keynote mit hervorragenden Slides vorbereitet und wie immer kompetent und mitreißend gesprochen hat. Seine Slides zeichnen sich durch eine ans Understatement grenzende Simplizität aus und unterstützen seine Worte ausgezeichnet ohne den Faktor Unterhaltung zu vernachlässigen.

Zu guter Letzt möchte ich meinen Lesern den musikalischen roten Faden, der die Keynote begleitete, nicht vorenthalten.

Die Aufzeichnung befindet sich hier.

2017-02-25T18:49:28+00:00Samstag, 15. März 2014|Erfahrungsberichte, Fortbildungen|0 Comments
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