Erste Statistik zur Nutzung mobiler Endgeräte in den Klasse 8 bis 11 (Oktober 2014)

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Ich habe insgesamt 86 Schüler, von denen 79 an der Umfrage teilgenommen haben. Achtklässler machen einen Großteil der Schüler aus (39, die ich in Englisch und/oder Französisch unterrichte), dazu habe ich noch 19 Zehntklässler, 6 Elftklässler und 22 Neunklässler.

Wie zu erwarten haben so gut wie alle ein Smartphone (94%), und erfreulicherweise – zumindest für mich – sind fast 90% davon Android-Geräte. Dies bestätigt auch meine Wahl bei der Anschaffung der 5 Tablets, da die Schüler so lernen, mit ihren eigenen Androidgeräten umzugehen. Lediglich ein Schüler besitzt ein WindowsPhone. Ebenfalls eine gute Nachricht, da die meisten Apps zwar für Android und iOS verfügbar sind, jedoch eher weniger für Windows. Des Weiteren hat fast ein Drittel der Schüler Zugang zu einem Tablet, darunter auch zwei der Schüler die kein eigenes Smartphone haben. Die Verteilung auf die einzelnen Klassenstufen hat mich etwas überrascht, da drei Viertel der Tablets in den achten Klassen verfügbar sind, d.h. bei den Jüngsten. Bei der Verteilung zwischen Android und iOS ist hier jedoch zu verzeichnen, dass 42% der Tablets Android-Geräte sind, 46% iPads und weitere 13 Prozent andere Systeme sind (ich vermute eher Kindle als Windows).

Im Hinblick auf den Kenntnisstand im Umgang mit den Geräten (Selbsteinschätzung auf einer Skala von 1-10) trauten sich über drei Viertel der Schüler einen Kenntnisstand von 7-10 zu. Dies ist meines Erachtens eine subjektive (Falsch)Einschätzung, da sich dies im Umgang mit den Geräten im Unterricht bisher nicht unbedingt bewahrheitet hat. Subjektiv nehmen die Schüler vermutlich tatsächlich wahr, dass sie sich sehr gut mit ihren Geräten auskennen, jedoch basiert dies vielleicht auf der Fehleinschätzung der Potenziale der teilweise sehr teuren Business-Smartphones und der hauptsächlichen Nutzung der Geräte zum Chatten.

Die private durchschnittliche Nutzungsdauer lag bei den wenigsten Schülern unter 30 Minuten pro Tag. Mehr als ein Drittel gab an zwischen 30 Minuten und 2 Stunden mit ihrem Smartphone zu verbringen, bei weiteren fast 40% waren es 2-4 Stunden und bei knapp 20% sogar mehr als 4 Stunden pro Tag. Wenn man sich die Altersverteilung auf die einzelnen Altersgruppen anschaut, so war zu bemerken, dass sich die älteren Schüler (Klassen 10 und 11) tendenziell weitaus weniger mit ihrem Smartphone beschäftigen als die jüngeren Schüler (Klassen 8 und 9).

Bei der Nutzung der Geräte für die Schule hingegen gab es weitaus weniger Diskrepanzen und auch die Nutzungsdauer war vom Alter her umgekehrt proportional zur privaten Nutzung. Insgesamt gaben fast ein Viertel der Schüler an, die ihnen zur Verfügung stehenden mobilen Endgeräte gar nicht für die Schule zu benutzen, während fast 70% einen Wert von bis zu 30 Minuten pro Tag angaben – ob dieser Wert natürlich heißt, dass sie ihr Smartphone oder Tablet produktiv nutzen oder sich lediglich die Hausaufgaben schicken lassen, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Tendenziell kann man jedoch mit Sicherheit sagen, dass die schulische Nutzungsdauer in den höheren Klassenstufen größer ist als bei den jüngeren Schülern.

Hinsichtlich der Art der Hauptnutzung kam wie erwartet heraus, dass sich mehr als 80% der Nutzung in Chats und sozialen Netzwerken abspielt. Danach kamen Videos (9%), Spiele (5%), Lektüre (3%) und Lernen (3%). Auch dies kann jedoch trügerisch sein, da ich weiß, dass ein Teil der Schüler sehr aktiv im Bereich der Videospiele ist – jedoch vermutlich eher am Computer als am Smartphone oder Tablet.

Da ich auch einen Überblick zur Nutzung beim Fremdsprachenlernen erhalten wollte, stellte ich im Anschluss noch diverse Fragen zur Nutzung von konkreten Apps und Funktionen, die das Fremdsprachenlernen unterstützen können. Etwa ein Drittel gab zu, regelmäßig Google Translate zu verwenden, wobei die Älteren offenbar weniger Schwierigkeiten hatten als die Jüngeren, dies zuzugeben. Dies ist natürlich verständlich, da es notwendig war, den Namen bei der Umfrage mit anzugeben um die Mehrfachteilnahme zu verhindern. Aus der Unterrichtspraxis und den protokollierten Seiten bzw. den Seiten, die im Browser noch offen sind, wenn sie die Tablets nach dem Unterricht bei mir abgeben, kann ich mit Sicherheit sagen, dass mehr als die Hälfte der Schüler auch aus den unteren Klassen sich regelmäßig auf Google Translate verlässt (und damit verlassen ist). Des Weiteren wird dies in diversen Projekten bestätigt, die momentan erarbeitet werden und bei denen ich Texte, die eindeutig von Google Translate stammen, postwendend zurückschicke mit der Bitte, es in eigenen Worten auszudrücken (und einer kleinen Standpauke). Dies hat mich auch dazu veranlasst, den Dienst endgültig auf den Schülertablets zu sperren.

Die LEO-Wörterbuch-App ist immerhin mehr als der Hälfte der Schüler ein Begriff, während einige wenige Schüler LEO selbst überhaupt nicht kennen. Zum Vokabellernen setzen lediglich 3% (vielleicht in Ermangelung einer geeigneten App) ihr Smartphone ein, während 30% angeben, es schon einmal ausprobiert zu haben, jedoch wieder davon abgewichen zu sein. Auf meine Nachfrage, wie die Geräten konkret verwendet werden, wurden verschiedene Methoden genannt, u.a. auch die Nutzung der Sprachnotizfunktion. Die Vokabellernapp par excellence Quizlet kennen ca. 30% der Schüler und haben sie auch schon einmal ausprobiert, aber die Zahlen zeigen deutlich, dass ein Großteil dieser Schüler im letzten Jahr bei mir Unterricht hatte und bei mir im Unterricht ein einziges Mal die Möglichkeit hatte, Quizlet auszuprobieren – als ich erklärte, wie man den Computer oder auch mobile Endgeräte zum Vokabellernen nutzen kann.

Konjugationsapps für Verben in der Fremdsprache nutzen circa 30% der Schüler, davon vor allem Schüler, die Französisch als 2. Fremdsprache gewählt haben. Die Nutzung nimmt mit steigendem Alter leicht zu.

Videos und Podcast zum Training des  Hör-Sehverstehens in einer Fremdsprache nutzen jedoch leider unter 15% der Schüler, auch hier ist es möglich, dass diese Zahlen auf der Unkenntnis von passenden Apps beruht.

Schließlich gaben 80% an, noch nie Mindmaps mit einem mobilen Gerät angefertigt zu haben, wobei ich davon ausgehe, dass dieser Wert leicht von der bereits in diesem Schuljahr eingeführten Nutzung der Tablets zu diesem Zweck im Unterricht verunreinigt wurde.

Die Nutzung von mobilen Geräten im Unterricht ergab ebenfalls keine Überraschung: fast 50% gaben an, noch nie im Unterricht (zumindest erlaubt) ein mobiles Gerät benutzt zu haben, circa ein Drittel gab an, dass es gelegentlich vorkommt und 15% gaben an, dass sie dies manchmal dürfen. Die betroffenen Fächer sind Französisch (14%), Englisch (11%), Geschichte (10%), Religion (9%), Deutsch (4%), NWT, Mathe, ITG (jeweils 3%) und Physik, Erdkunde, und Musik (1%). Einige Schüler präzisierten auch, dass es sich oft nur um eine Internetrecherche handelte, und ein Großteil derer, die die Geräte in einer Fremdsprache eingesetzt hatten, waren schon im letzten Jahr meine Schüler.

Die Aufnahme von Audiodateien für die Schule verneinte fast die Hälfte, während circa 19% sehr selten, 10% manchmal und fast jeder vierte Schüler regelmäßig, aber lediglich für Projekte bei mir diese Funktion genutzt hat. Filme für die Schule haben ca 20% schon gedreht, jedoch sehr selten.

Die abschließende Frage nach dem Wunsch, den Umgang mit mobilen Endgeräten für schulische Zwecke zu erlernen, haben fast drei Viertel mit einem deutlichen “Ja” beantwortet, während circa 25% “naja” ausgewählt haben. Aussagekräftig hierbei ist jedoch die Verteilung der Antworten, da vor allem in einer meiner letzjährigen Französischklassen zwei von drei Schülern eher nicht so begeistert sind von meinen Unterrichtsmethoden und damit auch lieber den altbewährten Unterricht bestehend aus Arbeit mit dem Lehrbuch und Arbeitsblättern hätten. Dies ist jedoch eine Einstellung, die ich bereits im letzten Jahr festgestellt hatte und ein Trend, der sich dieses Jahr offenbar hält. Ich bedauere dies zwar, jedoch werde ich an dieser Grundhaltung mir gegenüber vermutlich nichts mehr ändern.

Diese erste Umfrage zur Nutzung mobiler Endgeräte hat für mich keine großen Überraschungen zu Tage geführt. Mein Fazit ist klar, dass ich mich bemühen werde, meine Schüler im Unterricht mit verschiedenen hilfreichen Apps arbeiten zu lassen, und dies wenn möglich regelmäßig, um ihnen so das Potenzial ihrer eigenen Geräte zu zeigen. Natürlich hoffe ich ebenfalls, dass die private Nutzungsdauer vielleicht zu Gunsten der schulischen Nutzung etwas zurückgeht und dass sie die bei mir kennengelernten Apps auch nach und nach selbständig für andere Fächer einsetzen, sobald sie deren Nutzen begriffen haben. Die Nutzung der verschiedenen Apps soll in den Unterricht integriert werden und unterrichtsbegleitend sein, nicht nur in Projektphasen stattfinden, sodass meine Schüler mit der Zeit automatisch autonomer werden in der Nutzung ihrer Geräte. Außerdem möchte ich natürlich die Tablets zum Methodentraining, vor allem zum Training der Sprechkompetenz und des Hör-Seh-Verstehens einsetzen, jedoch auch zur Förderung anderen Kompetenzen, die sie in ihrer weiteren Schullaufbahn brauchen werden: Bildbeschreibungen, Webrecherche, Wortschatzarbeit, Präsentationstechniken usw.

 

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