Extended Reality: Pädagogische Überlegungen

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Didaktische Modelle der Kompetenzorientierung

Natürlich können XR-Elemente in einzelne Phasen des Unterrichts eingebaut werden, um die zu vermittelnden Inhalte interessanter zu gestalten. Dies setzt jedoch voraus, dass es sich um einen von der Lehrkraft konzipierte Unterrichtsstunde handelt, die durch XR-Elemente angereichert wird. Der klassische Unterrichtsgedanke, dass die Lehrkraft die Schülerinnen und Schüler unterrichtet, wird dabei nicht angetastet und die Lehrkraft steht im Mittelpunkt des Unterrichts und „lehrt“. Dies entspricht den Bereichen S(ubstitution) und A(ugmentation des SAMR-Modells von Puentedura (2012) und es geht vornehmlich um Wissensvermittlung.

Credits: Sylvia Duckworth & edappadvice | All Rights Reserved

Da beim SAMR-Modell jedoch nicht die Technologie im Vordergrund steht, die um jeden Preis eingesetzt werden soll, sondern es vielmehr um das Erreichen von pädagogischen Zielen geht, wird schnell klar, dass das Potenzial von Extended Reality vor allem im Bereich der Transformation des Lernens und des Kompetenzerwerbs liegt und nicht in der Anreicherung der Wissensvermittlung. So kann XR sinnvoll vor allem da eingesetzt werden, wo es um die Veränderung von Aufgaben geht – M(odification) – und wo es darum geht, Bildung neu zu definieren – R(edefinition) – und damit auch das traditionelle Rollenverständnis von Lehrer und Schüler zu überdenken, sowie Leistungsbewertung.

Um die technische Orientierung des Modells ein wenig aufzubrechen und in den Kontext des zukunftsorientierten Lernens zu stellen, habe ich das Modell für mich erweitert: der Bereich der Modifikation ist für mich ein Transitionsbereich, der unter dem Begriff der zeitgemäßen Bildung bekannt ist und oft mit der Technologie untrennbar verbunden scheint, während der Bereich der Redefinition für mich die Transformation des Lernens verkörpert, die Revision der Rollen und das zukunftsorientierte Lernen.

Credits: Erweiterung: Stephanie Wössner | Grafik: © Sylvia Duckworth & edappadvice | CC BY-ND 4.0 International

© Sylvia Duckworth & edappadvice (gekauft) mit eigenen Ergänzungen

Diese Kompetenzorientierung findet sich zudem wieder in weiteren Modellen des zeitgemäßen Lernens wie dem 4K-Modell des Lernens (Kommunikation, Kollaboration, Kreativität, Kritisches Denken) und den „4Ps of Creative Learning“ (Peers, Projects, Passion, Play).

Natürlich sind in diesen Überlegungen auch Inhalte und damit Wissen relevant, doch stellt das Wissen lediglich die Basis für die Ausbildung von Kompetenzen dar, wie dies beispielsweise die überarbeitet Version von Blooms Taxonomie darstellt. Die Anwendung des Wissens und das Gestalten von Lernprodukten hingegen führen zum Erreichen der pädagogischen Ziele.

Credits: Krausanderson | All Rights Reserved

Sechs Faktoren, die das Lernen begünstigen

Vergleicht man die Realität des Bildungssystems im 19. Jahrhundert mit dem was heute in deutschen Klassenzimmern und in Pandemiezeiten in virtuellen Klassenzimmern geschieht, wird schnell klar, dass sich zwar manche Dinge geändert haben, dass u.a. Technologie verfügbar ist, dass sich jedoch an der Rolle von Lehrkräften und Schülern nicht allzu viel geändert hat.

Credits: Albert Anker | Public Domain Mark 1.0

Betrachtet man jedoch die Erwartungen, auf die Jugendliche im 21. Jahrhundert in der Berufswelt treffen werden, ist die Schlussfolgerung, dass sich am Bildungssystem etwas grundlegend ändern sollte, und somit Innovation dringend nötig ist, nicht weit. Möchte man also zur Transformation des Lernens beitragen, muss man sich die Frage stellen, was das Lernen per se fördern kann.

Dabei gibt es sechs Faktoren, die ins Auge stechen und die man mit digitalen Medien einschließlich Extended Reality problemlos ins Bildungssystem integrieren kann, wenn man bereit ist, die altbewährten und teilweise sehr bequemen Wege zu verlassen: Motivation, Emotionen, Interaktion, Visualisierung, entdeckendes Lernen und spielerisches Lernen. Mit der viel zitierten „digitalen Bildung“ hat dies wenig zu tun, denn Bildung ist und bleibt Bildung und sollte sich den gesellschaftlichen Umständen anpassen. Denn schließlich geht es darum, junge Menschen zu verantwortungsbewussten und kompetenten Bürgern zu machen, die sowohl die Gesellschaft aktiv mitgestalten, als auch ein erfolgreiches Leben führen können sollen.

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