Künstliche Intelligenz & Bildung

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Künstliche Intelligenz ist ein Thema, welches im Bildungsbereich von großer Bedeutung ist. Nicht so sehr jedoch aufgrund potenzieller Arbeitserleichterungen, die man sich von der Technologie verspricht, sondern vielmehr wegen der Bedeutung des Themas in Gegenwart und Zukunft.

Viele Menschen denken, dass KI im Bildungsbereich ausschließlich im Bereich der individuellen Förderung durch Learning Analytics einsetzbar ist. Diese Idee geht davon aus, dass Daten von Lernenden analysiert und so ausgewertet werden, dass die Lehrkraft weiß, wo die einzelnen Lernenden Lücken haben. Basierend auf dieser Erkenntnis kann so individuell gefördert werden, um ein bestimmtes messbares Ergebnis zu erziehen. Genau aus diesem Grund ist das Thema KI in der Bildung auch heißumstritten, denn Datenanalyse bedeutet, dass persönliche Daten verarbeitet werden, die es ermöglichen können, ein Profil des Lernenden anzufertigen. Daher gibt es hier sehr starke Datenschutzbedenken.

Doch schaut man das Thema Learning Analytics genau an, dann wird schnell klar, dass es primär für die Überprüfung von zu erwerbendem Wissen eingesetzt werden kann, nicht jedoch für die Evaluation von Kompetenzen. Dies bedeutet, dass es um standardisierte Testsituation geht, deren Ziel es ist, mangelhaftes Wissen ans Licht zu bringen und die Leistung eines Lernenden objektiv zu beurteilen. Auch gibt es hier eine klare Hierarchie: Die Lehrkraft steht über den Lernenden, evaluiert und fördert sie. Da es im 21. Jahrhundert um zeitgemäßes und noch viel mehr um zukunftsorientiertes Lernen gehen sollte, ist es also durchaus legitim, die Eingrenzung von künstlicher Intelligenz auf Learning Analytics zu hinterfragen – nicht jedoch aus Datenschutzgründen.

Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es einige Bereiche, in denen künstliche Intelligenz im Bildungsbereich in unterschiedlicher Weise zum Einsatz kommen kann.

  • KI verstehen (Medienbildung; Informatik, logisches Denken)
  • Schwachstellen von KI kennen (Medienbildung; Bias / Wahrnehmungsverzerrung)
  • KI programmieren (Informatik, ggf. in Kombination mit einer Fremdsprache im mündlichen Bereich)
  • Berufsfelder im Bereich der künstlichen Intelligenz kennenlernen (Politik / Berufsbildung)
  • Ethische Fragestellungen (Politik, Religion, Deutsch, Fremdsprachen …)
  • Big Data, Fake News, Hate Speech (Medienbildung)

Das pädagogische Ziel all dieser Bereiche ist es, dass die Lernenden die Welt von morgen als mündige Bürger mitgestalten können.

Wir sollten jedoch mit Blick auf die Zukunft nicht vergessen, dass sich die Technologie rasend weiterentwickelt und dass beispielsweise Quantencomputer in greifbarer Nähe zu sein scheinen. Quantencomputer haben eine weit größere Rechenleistung als bisher verwendete Computer, sodass ihre Verfügbarkeit auch die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz potenzieren könnte.

Daher lohnt es sich im Sinne des Futures Thinking die Augen offen zu halten nach Signalen für mögliche Entwicklungen und es nicht in die Sphäre des Unmöglichen zu verbannen, dass uns irgendwann eine künstliche Intelligenz auf unserem Weg des lebenslangen Lernens begleiten und unterstützen wird. Auch wenn diese vielleicht kein menschliches Bewusstsein haben wird, so können wir aktuell nicht vorhersagen, wie sich das Thema in Zukunft entwickeln wird und wie sich unsere Beziehung zu künstlichen Intelligenzen vielleicht noch positiv wandeln wird, weil wir aktiv bei deren Entwicklung mitwirken.

Was jedoch klar ist: Keine zukunftsorientierte Lehrkraft braucht sich Sorgen zu machen, von einem Roboter ersetzt zu werden, denn das was uns als Menschen auszeichnet, wird eine künstliche Intelligenz nie ganz ersetzen können. Allerdings sollten wir uns darauf einstellen, dass sich unsere Rolle und unsere Aufgaben in Zukunft verändern werden.

Tipp: Lehrkräfte und Lernende, die sich in diesem Bereich fortbilden möchten, finden auf dem KI-Campus interessante Selbstlernkurse, u.a. eine kleine Einheit zu Grundlagen der künstlichen Intelligenz, aber auch viele Kurse für unterschiedliche Zielgruppen. Der KI-Campus ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes Projekt.

Dieser Text basiert auf einem ebenfalls von mir geschriebenen Text, der unter einer CC BY-SA-Lizenz auf der Seite des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg veröffentlicht wurde. Daher unterliegt er ebenfalls einer CC BY-SA-Lizenz. (Link zum Originaltext)

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